Bröselmaschine spielte legendäres Konzert im Kulturzentrum St. Barbara
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- bde/Thok
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Peter Bursch: „Was für ein großartiger Sound hier im Sankt Barbara!“
Die erste Begegnung mit Bröselmaschine hatten wir im Osten in den tiefen 70 ern über das Radio. Genauer gesagt, bei "POP-Sunday" - einem zentralen, respektlosen Szenemagazin für Rockmusik und Kultur, gegen den konservativen Mainstream, der bisher von Volksmusik und Schlager geprägt war. Die Sendung kam jeden Sonntag, eine Stunde vor Mitternacht auf Bayern 2. Dort liefen Kapellen, deren Lieder sich sehr extrem anhörten und auch schon mal länger als üblich waren, wie etwa "In-A-Gadda-Da-Vida" von Iron Butterfly (17 Minuten und 5 Sekunden) und Pink Floyds "Echoes". Voll ausgespielt!
Darüberhinaus kümmerten sich die engagierten Ansager auch um verschiedene Musikrichtungen. Eine dieser Spezialsendungen war dem Kraut-Rock gewidmet. Urgestein Thomas Meinecke hatte eine Platte auf den Teller, die sofort faszinierte. Bröselmaschine mit ihrem gleichnamigen Debütalbum. Instinktiv wurde das tschechoslowakische Tonbandgerät TESLA B93, mit den zwei versetzten Spulen, auf Aufnahme gedrückt und die ganze Sendung mitgeschnitten. Mit 4,76 cm/s Aufnahmegeschwindigkeit, um Bandmaterial zu sparen und die eigentlich – ohnehin nur in Mono, für Sprachaufnahmen im Frequenzbereich 60-8.000 Hz vorgesehen war.
Der Sound war dadurch etwas mickrig, aber die Musik mystisch, hat jeden mitgenommen und sich "Look up to the sky..." in Gehirnwindungen verankert.
Während sich in der westdeutschen Musiklandschaft Krautrock als Stilrichtung durchsetzte und Gruppen wie "Birth Control", "Floh de Cologne", "Guru Guru", "Popol Vuh" und "Kraan" etablierten, hieß das im Osten Blues -und Classic Rock und die Formationen nannten sich "Panta Rhei", "Bayon", "Czeslaw NIEMEN", "Syrius" und "Stern-Como Meißen".
Mit BRÖSELMASCHINE stand nun am 14. Februar im Kulturzentrum St. Barbara ein ganz besonderes Stück deutscher Musikgeschichte auf der Bühne. Gegründet in den späten 60er Jahren, zählt die Band um Gitarrenlehrer Peter Bursch zu den ältesten aktiven Rockformationen Deutschlands und begeistert seit Jahrzehnten ihre Fangemeinde bei mitreißenden Konzerten. Diese Fusion aus Krautrock und Weltmusik ist eine lebendige Demonstration, wie dynamisch und energiegeladen progressive Rockmusik mit Folk- und psychedelischen Einflüssen heute klingen kann.

Bröselmaschine live im St. Barbara, Foto: UM, Liederbuch
Genau diesen Eindruck vermittelten BRÖSELMASCHINE auch auf der Bühne der heiligen Barbara, sodass man sie ebenfalls musikalisch heilig sprechen dürfte. Schon dass mit „Elegy“, „Bliss“, „Oriental Mind“, „Hello Hello“, „Indian Camel“, „I'd Rather Go Blind“ (von ETTA JAMES), „Pajaro“, „Fall Into The Sky“, „Sole Ruler“, „I Was Angry“, „Children Of The Revolution“ (von T.REX) und „Black Is Your Color“ eine Vielzahl von Stücken des 2019er-Jubiläumskonzerts (50 Jahre Bandbestehen) und zugleich alle aus dem legendären WDR-Rockpalast-Konzert vor fünf Jahren in der Zeche Heinrich-Robert in Hamm zur Aufführung kamen, sorgte für Begeisterung.
Einzelne Songs hervorzuheben, bereitet Schwierigkeiten, denn bei so viel Abwechslung wäre es fast unfair, die nicht genannten Stücke unterm Radar laufen zu lassen. Trotzdem sollten unbedingt die zwei den BRÖSELMASCHINE-LPs ihren Namen verleihenden Stücke erwähnt werden: Die 13 Minuten lange psychedelische Reise durch Zeit und Raum, welche uns „Indian Camel“ vor der kurzen Konzert-Pause beschert und uns ganz tief in die Zeit der Spätsechziger entführt, um die wahre Größe echter psychedelischer Musik zu entfalten und die mit einem wunderschönen Gitarren-Motiv aufwartende „Elegy“, welche sofort ins Ohr geht und dort einfach nicht wieder raus will.
Gerade die breit angelegten Strukturen zwischen weltmusikalischer (Sitar-)Schönheit, psychedelischer Verspieltheit, rockiger Dynamik und harmonischer Hingabe – allesamt von leidenschaftlichen Musikern und einer charismatischen Frontfrau vorgetragen, nehmen das Publikum von Anfang an gefangen. Noch dazu verblüfft nicht nur ein gigantisches Schlagzeug, das opulent fast die halbe Bühne einzunehmen scheint, und dann von MANNI VON BOHR auf eine Art und Weise gespielt wird, dass es einem schwindelig wird. Die absolute Steigerung dieses Drumstick-Zauberers entlädt sich allerdings erst im zweiten Konzertteil beim riesig-eruptiven Schlagzeug-Solo auf „I Was Angry“.
Wie wütend muss man eigentlich sein, um hinter seiner Schießbude ein so wildes Solo abzufeuern? Unfassbar!

Wirbelte an den Drums, Manni von Bohr, Foto: UM, Liederbuch
Würde Maestro von Bohr sich während des Drummings noch sein T-Shirt vom Leib reißen, man hätte den Eindruck, dass hier ein CARL PALMER eines seiner bei ELP immer heiß geliebten Soli von sich geben würde. Auch bekommen während des 18-minutigen Stücks Keyboarder Thomas Plötzer und Bassist Carlos Palmen ausgiebige Solo-Momente eingeräumt. Freiräume, die Gitarrist Michael Dommers in dem Falle nicht bedarf, denn er hat während des gesamten Konzerts immer wieder die Möglichkeit, das Publikum von seinen vielfältigen Spieltechniken zu überzeugen, die neben herrlicher Eigenständigkeit mitunter gar Anklänge an David Gilmour und Mark Knopfler erkennen lassen und so beim Publikum genau das gleiche Wohlgefühl entflammt, wie er es beim betreten des Kulturzentrums Sankt Barbara in Lichtentanne empfand.
Am Ende des Konzerts aber stand die große Überraschung und zugleich kleine Sensation, über die hier unbedingt noch ein paar Gedanken verloren werden müssen. Es dreht sich natürlich um „Gedanken“, das erste Stück der ersten LP von BRÖSELMASCHINE, das auf Wunsch des Publikums das letzte des Konzerts werden sollte – und nicht vorher geprobt worden war, aber einen dermaßen fesselte und das unglaubliche Improvisationstalent der Band widerspiegelte. Hochexplosiv wie ein sich steigernder Bolero, bei dem sich BRÖSELMASCHINE in einen endgültigen Rausch spielten – so gesehen wurde aus diesem frühen Stück des Jahres 1971 anno 2026 ein echter „Gedanken“-Bolero.

Energiebündel Stella Tonon, Foto: z2000/bde
Besondere Aufmerksamkeit mit ihrer ganzen Ausstrahlung und Stimme zieht Sängerin Stella Tonon auf sich, der man sich absolut nicht entziehen kann und zu der Peter Bursch im Interview mit uns bemerkte:
Und das Sankt-Barbara-Publikum durfte diesen BRÖSELMASCHINE-Traum am 14. Februar 2026 mitträumen.
FAZIT:
Ein traumhaftes Konzert, bei dem die Musik sowie die rundum sympathische Band völlig ausreichen, um danach richtig berauscht zu sein!
Dieser Beitrag enthält Passagen aus der Original-Rezension von Thoralf Koß von Musikreviews.
Zum Interview mit Peter Bursch Foto: z2000/bde
Für ihre besondere Unterstützung möchten wir uns bedanken bei:
- Liederbuch Zwickau e.V. (Andreas Voigt, Uwe Möckel)
- Musikreviews (Thoralf Koß)
- Bröselmaschine (Peter Bursch)

