
Prof. Dr. Michael Scheffler, Dekan der Fakultät Kfz-Technik, verkündete das Aus der Schwanen-Klassik.
Die von der Fakultät Kraftfahrzeugtechnik der Westsächsischen Hochschule als letzte deklarierte Schwanen-Klassik ging am 13. September vom Campus in Eckersbach auf seine Tagesausfahrt Richtung Talsperre Pöhl. Es war die insgesamt 25. und somit traditionsbehaftete Oldtimer-Tour, bei der sich letztendlich trotz Nieselregens 89 Fahrzeuge, darunter dreizehn Motorräder, auf den Weg ins Vogtland machten.
Das Gros der Teilnehmer hatte dabei sehr gemischte Gefühle. Zum einen, die letzte Schwanen-Klassik nicht zu versäumen. Zum anderen, dass die vom Urheber der Schwanen-Klassik, WHZ-Kanzler i.R. Prof. Dr. Joachim Körner, ins Leben gerufene Veranstaltung irgendwie weitergeführt werde. Da nützte es wenig, dass der Dekan der Fakultät Kraftfahrzeugtechnik und Vorsitzende der Interessengemeinschaft Oldtimer an der WHZ, Prof. Michael Scheffler, vor dem Start den bisherigen Mitarbeitern mit einem Blumenstrauß danke sagte. Seine Worte zum „Abgesang“ der Klassik hinterließen wenig Verständnis. Es tue ihm zwar leid, aber der dafür notwendige riesige Zeit- und Kraftaufwand der auf Freiwilligenbasis Agierenden“ sei neben den eigentlichen Tagesaufgaben nur schwer zu stemmen.
Benannter Urheber der Schwanen-Klassik, Joachim Körner, zeigte sich geradezu fassungslos:
„Diese Absage, das Aus dieser Klassik zu verkünden, hätte ich mir als WHZ verkniffen! Da hängt ja zudem die beliebte und hoch angesehene Veranstaltung ‚Forum Mobile‘ dran, die Schrauberei und der Erhalt des vorhandenen Fuhrparkes und einiges mehr. Was ist das für ein Signal an die Öffentlichkeit: Eine Hochschule, deren Teil ihres Bestehens in der Kraftfahrzeugtechnik liegt, schickt ein Armutszeugnis hinaus, eine traditions- und emotional-behaftete Eintagesveranstaltung nicht stemmen zu können?!“
Bernd Czekalla vom Förderverein des August-Horch-Museums nahm sich nach der Rede des Dekans das Mikro und formulierte das Anliegen der Teilnehmer grundlegend und fast fordernd: „Es werden sich doch wohl bei drei-, viertausend Studenten fünf oder sechs finden lassen, die diese Klassik betreuen und organisieren!“ Im Hintergrund schüttelte Körner den Kopf und meinte: „Die Klassik hat zu meiner Zeit meine Sekretärin fast im Alleingang auf die Beine gestellt!“

Bernd Czekalla, Morris Eight Open Tourer Bj 36
Bei allem Diskussionsbedarf galt das Augenmerk natürlich den zwei- und vierrädrigen Hauptdarstellern des Tages. Fast zwanzig Vorkriegsmodelle und ebenso viele unterschiedliche Marken waren zu bestaunen. Ob Horch, DKW, Wanderer, Borgward oder Jaguar, British Leyland und die bis heute immer noch exquisiten EMW sowie 311er und 312er Wartburg aus Eisenach.
440 Kilometer Anreise hatte Christian Frankenberger auf sich genommen. Er kam aus dem bayrischen Rieden mit einem Trabant 601 Uni-Combi Baujahr ´89. „Ich war schon bei der Horch und wollte nun endlich auch hier das erste Mal dabei sein. Und wie ich erfahren habe, wohl das letzte Mal. Mehr als traurig!“

Christian Frankenberger + Julia, Rieden BY, Trabi601 Uni-Combi
Das älteste Auto wurde von Andreas Kögl aus Hartmannsdorf gesteuert. Auch das erste Mal dabei hatte es für ihn einen ganz persönlichen Grund: „Ich habe meinen Diplom-Ingenieur Kfz-Technik an der WHZ gemacht. Seit Juni habe ich mir den Ford T Fordor („four-door“ - viertürig) aus dem Jahr 1923 gegönnt. Da war´s fast verpflichtend, hier an den Start zu gehen.“

Andreas Kögl und Konstantin, Ford T Forder Bj28
Als die Klassik in ihren Anfangsjahren noch am Muttertag und vom Kornmarkt startete, war Mirko Müller aus Lichtenstein bereits dabei. „Wegen des Wetters bin ich kurzfristig mit meinem Mercedes 170 DS, einem Diesel aus dem Jahr 1953, hier. Jedoch stand für mich fest, dass ich bei hoffentlich besserem Wetter im kommenden Jahr mit dem eigentlich angemeldeten Ford A Phaeton Cabrio Baujahr ´28 kommen wollte. Das muss ganz einfach werden!“

Mirko Müller Lichtenstein - Mercedes170DS, Bj53
Eine mögliche Lösung für den Fortbestand der Schwanen-Klassik bot sich bereits im Vorfeld an. Johannes Schmutzler, Vereinsvorsitzender des MC Zwickau, äußerte sich wie folgt: „Es wäre mehr als schade, wenn eine weitere Veranstaltung im Bereich Motorsport wegfällt. Der MC hat die Fäden bei der Horch-Klassik in der Hand. Warum nicht auch bei der Schwanen-Klassik. Mein Telefon hat dahingehend noch nicht geklingelt!“
Auch die Schirmherrin der Schwanen-Klassik, die Oberbürgermeisterin der Stadt Zwickau, Constance Arndt sagte:
„Wir als Stadt bemühen uns, derartige Veranstaltungen in Zwickau zu halten oder hierher einzuladen. So wie die Oldtimer-Rallye Elbflorenz, die am 25. und 26. September in Zwickau Halt machen wird. Auch die Sachsen-Classic wird in Zukunft Zwickau wieder ansteuern. Und die eigenen Rallyes, die sterben aus? Da muss es Lösungen geben!“
Beschließen kann dies das Stadtoberhaupt allerdings nicht.
Fotos: uhe
