Immer noch mit den Herzen "live" dabei
Vom 6. bis 22. Februar 2026 schaut die Sportwelt nach Mailand und Cortina d'Ampezzo. Dann werden dort die XXV. Olympischen Winterspiele ausgetragen. Diesmal allerdings ohne Beteiligung von Zwickauer Sportlern. Doch es gibt berechtigte Hoffnungen, dass dies 2030 (vorbehaltlich) in Nizza und den französischen Alpen wieder der Fall sein wird. Denn mit den Rodlern Melina Fischer und Pascal Kunze sowie dem Bob-Piloten Max Illmann stehen ausgezeichnete Athleten auf dem Sprung in den jeweiligen A-National-Kader.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch, dass Zwickauer Wintersportler nicht nur dabei, sondern bei Olympischen Winterspielen auch erfolgreich waren. Nur drei sollen stellvertretend etwas näher vorgestellt werden.
Ute Rührold - Vom Schwebebalken in die Eisrinne
Der 350 Meter hohe Windberg im Zwickauer Stadtteil Marienthal war bis in die 80er das Rodel-Mekka der Zwickauer. Von zahlreichen Zuschauern gesäumt, flogen vor allem auf der fast dreihundert Meter langen mit Kurven versehenen sogenannten Knochenbahn auf den vereisten Huggeln die Funken, ging dort nicht nur so mancher Schlitten entzwei. An einem dort ausgetragenen Rodelwettbewerb im Januar 1966 für Schüler der Zwickauer Schulen nahm auch Ute Rührold teil.

Ute Klawonn (Rührold) mit ihren Silbermedaillen von Innsbruck und Sapporo, Foto: privat
„Sportlich bereits aktiv, ich war bis dahin Turnerin, ließ ich mir das als 12-Jährige nicht entgehen. Nach zwei Wertungsläufen stand ich unerwartet ganz oben auf dem Podest. Als Siegerin bekam ich einen Rennrodelschlitten. Tags darauf habe ich mich vom Turnen zum Rennrodeln umgemeldet“, erinnert sich Ute, verheiratet heute Klawonn, „regelrecht vom Rodelhang weggescoutet“ worden zu sein. „Du hast Talent, komm mal bei uns vorbei“, habe Lothar Dietzel, der dann auch ihr erster Trainer war, zur Siegerehrung zu ihr gesagt.
Was folgten waren zwei Olympiateilnahmen (1972 Sapporo und 1976 Innsbruck mit jeweils einer Silbermedaille), WM-Silber 1973, 1975 und Bronze 1974, Europameisterin 1972, Silber 1973, Bronze 1974 sowie DDR-Meister 1972, und Vizemeister von 1973 bis1976.
Selbstverständlich wird Ute Klawonn mit den deutschen Rodlern in Cortina d'Ampezzo mitfiebern. „Mit Julia Taubitz und Timon Grancagnolo sind ja zwei Sachsen im Einzel dabei. Denen drücke ich ganz besonders die Daumen. Und mit Anna Berreiter, Merle Fräbel sowie Max Langenhan und Felix Loch sind unsere Rodler durchaus in der Lage, Medaillen zu holen.“
Cathleen Martini - Gleiche Bahnen, aber anderes Gefährt
Sport sei schon immer ihr Ding gewesen. „Erst hab´ ich Judo bei Lok Zwickau gemacht, es sogar bis zum gelben Gürtel geschafft. Doch nach einem Ferien-Schnupperkurs bin ich damals als 10-Jährige zum Rodeln“, erinnert sich die heute 43jährige Cathleen Martini. Damals waren mit Hüfner, Wischnewski, Kraushaar oder Otto starke Jahrgänge im Einzel-Wettbewerb am Start. „Da war´s schwer, in den internationalen Kader zu kommen. Aber dieser Sport an sich, die Geschwindigkeit und die schnellstmögliche Fahrlinie zu finden, das reizte mich nach wie vor“, begründet sie ihren 2000 vollzogenen Wechsel in den Bob.

Cathleen Martini, Foto: uhe
Mit einem Weltcup-Gesamtsieg, acht WM-Medaillen (2mal Gold, je dreimal Silber und Bronze), vier Europameister-Titeln sowie vier Vize-Titel und einer Bronze-Medaille zählt sie weltweit zu den erfolgreichsten Bob-Pilotinnen. Und Olympia? „Da war ich zweimal dabei. 2010 in Vancouver hab´ ich auf Platz vier liegend im entscheidenden vierten Lauf alles auf eine Karte gesetzt und bin durch einen Fahrfehler gestürzt. Bei Olympia 2014 in Krasnaja Poljana blieben wir deutschen Frauen gänzlich ohne Medaille. Material und Management haben nichts Besseres hergegeben. Ich landete als zweitbestes deutsches Team auf dem 7. Platz. Schade, olympisches Edelmetall zweimal verpasst zu haben!“
Im Hinblick auf die Bob-Entscheidungen am Fuße der Dolomiten ist Martini optimistisch: „Bei den Männern gehe ich davon aus, dass im 2er und 4er zwei deutsche Fahnen zur Siegerehrung wehen werden. Bei den Frauen ist der Ausgang offener. Aber auch da steht im Mono und 2er eine Deutsche auf dem Podium.“
Gabriele Lehmann - Nach anfänglichem Pokal-Spaß nach Japan
Februar 1955. Viel Schnee. Ein Winter wie gemalt. Es gab noch keine Winterschulferien. Allerdings verbringt die Zwickauer Familie Nobis ein langes Wochenende in Klingenthal. Vor Ort wird zeitgleich der Pionier-Pokal im Skilanglauf ausgetragen. Die Eltern animieren ihre 13jährige Tochter Gabriele, doch daran teilzunehmen. Sie belegt auf Anhieb Platz zwei. Ab Herbst besucht Gabriele die Kinder- und Jugendsportschule in Klingenthal, macht Abitur, wird Mitglied beim SC Dynamo Klingenthal und gehört fortan zum National-Auswahl-Kader. „Was folgten waren sechzehn Jahre Leistungssport“, erinnert sich Gabriele Lehmann.

Gabriele Lehmann, Foto: uhe
In dieser Zeit etablierte sie sich als unverzichtbarer Teil der Staffel. So gewann sie bei den Weltmeisterschaften 1970 in Strebske Pleso in der 3 × 5-km-Staffel gemeinsam mit Renate Fischer und Anna Unger die Silbermedaille, die erste Medaille im nordischen Skisport bei den Frauen für die DDR überhaupt. Im selben Jahr siegte sie bei den Svenska Skispielen zusammen mit Anna Unger und Karin Scheidel in der Staffel. Mit der Staffel ihres Vereins wurde sie viermal DDR-Meisterin, 1971 wurde sie DDR-Meisterin über 10 km Einzel. Hinzu kamen weitere Medaillengewinne.
„Auch wenn´s am Ende keine Medaille gab. Unvergessen bleiben die Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo. Ich durfte dreimal an den Start gehen, wurde 20. über 5 km, über 10 km kam ich auf Platz 18 ein und mit der Staffel auf Platz 5“, erinnert sich die nunmehr fast 84-Jährige.
„Der Sessel ist schon zurechtgerückt“, scherzt sie und wird die Langlaufentscheidungen im Fleimstal in Val di Fiemme per TV verfolgen. „Die Skandinavier werden das überwiegend rocken. Bei den Mädels könnte es im Teamsprint und, wenn alles gut läuft, im Skiathlon nach einer Medaille riechen“, ist sie sich sicher als auch optimistisch.
