Ex-Pilotin Martini Jurymitglied bei Bob-Entscheidungen
In der Vergangenheit standen auch schon Rodler des ESV Lok Zwickau im deutschen Olympia-Aufgebot und konnten, wie zum Beispiel Ute Rührold/Klawonn oder Harald Ehrig, Medaillen erringen. Bei Olympischen Winterspielen aktiv dabei war auch die Zwickauer Bobfahrerin Cathleen Martini (2010 Vancouver, 2014 Krasnaja Poljana). Nun erlebte sie in Cortina d'Ampezzo ihre dritten Olympischen Winterspiele – nicht an den Lenkseilen eines Bobs, dafür in der Jury des Internationalen Bob- und Skeletonverbandes.
Das sportlich Karussell dreht sich für die mittlerweile in Dresden beheimatete Bobpilotin immer noch. Cathleen Martini pilotiert gelegentlich Gäste durch den Altenberger Eiskanal und hatte mittlerweile die Jury-Lizenz des Internationalen Bob- und Skeletonverbandes (IBSF) erworben. Ab und an war sie deshalb auch schon in der Rennleitung bei Weltcups und Weltmeisterschaften der Bobwettbewerbe eingesetzt, konnte dabei umfangreich Erfahrungen sammeln. Dann kam im August vergangenen Jahres die Mitteilung, dass sie im Pool der Auserwählten für die Bob-Jury bei den Olympischen Winterspielen 2026 sei. „Ich war sowohl überrascht als auch erfreut“, erinnert sich Martini. Nach ihrer Zusage, für diesen Zeitraum zur Verfügung stehen zu können, erhielt sie einige Zeit später auch die endgültige Zusage, hieß es Koffer packen.
Schön war auch, mit Anja Schneiderheinze eine weitere deutsche Kollegin an der Seite gehabt zu haben, die bei den Olympischen Winterspielen von Turin 2006 Pilotin Sandra Kiriasis zum ersten deutschen Olympiagold im Frauen-Zweierbob schob, blickt die 43-Jährige auf zwei Wochen Jury-Tätigkeit zurück und ergänzt: „Gut, dass es für die Rodler und Skeletonis eine Extra-Jury gab.“ Denn der Umfang ihrer Aufgabe nahm so viel Zeit in Anspruch, dass ein Besuch im Deutschen Haus „zeitlich leider nicht möglich war“, klingt ein wenig Wehmut nach. Dem stand jedoch positiv entgegen: „Alle Kontrollen betreffs der Einhaltung der IBSF-Regeln sowohl im Training als auch im Wettkampf, wie Gewichte und Beschaffenheit der Gefährte, Kleidung und Reihenfolge waren sämtlich okay, was unsere Arbeit natürlich erleichterte“, zieht die ehemalige Bobpilotin Resümee. „Da wurde zum Beispiel vor jedem Lauf gewogen. So bei den Viererbobs, die das leere Mindestgewicht von 210 Kilo beziehungsweise das Höchstgewicht mit Mannschaft von 630 Kilo nicht übersteigen darf.
In den jeweiligen Disziplinen waren das zwanzig und mehr Bobs, die an den Trainingstagen und natürlich auch vor den Wertungsläufen ein paarmal unter die Lupe genommen werden mussten.“ Dazu gehört allerdings auch ihr Eingeständnis: „Nur daneben stehen zu müssen und nicht selbst in einen Bob einsteigen zu dürfen, die Bahn unter die Kufen zu nehmen… war schon hart. Da hat´s ganz schön in den Fingern und im Pops gekribbelt!“ Auch bei den „Monostarterinnen“, einem Wettbewerb, den es zu Martinis aktiver Zeit noch gar nicht gab? „Zunächst finde ich es absolut geil, dass es für die Bobfrauen eine zweite Chance gibt, eine Medaille zu gewinnen. Auch, dass es bei den Monobobs absolute Chancengleichheit gibt. Sie sind alle baugleich, lediglich individuelle Anpassungen bei Sitz und Lenkung sind möglich“, kommt das „Jury-Auge“ durch. „Ich hätte allerdings davon wohl eher nicht profitiert. Speziell auf meine letzten Jahre betrachtet, war ich ja eher eine ‚gemütliche‘ Starterin. Höchstens auf längeren Bahnen, zu denen nun ja auch die in Cortina zählt. Da hätte ich sicherlich im Podestkarussell eine Runde mitspielen können.“ Darum kann die 2er-Bob-Welt- (2011) und vierfache Europameisterin auch kein eindeutiges Urteil über die Bahn im Cortina-Sliding-Centre abgeben. Aber sie sagt: „Die Bahn sieht einfach aus, ist aber schwierig und hat zwei drei Knackstellen in den Kurven eins, vier und neun. Konstant schnell zu fahren, lässt sie nicht zu und ist deshalb relativ sicher.“ Außer bei den drei Stürzen des Österreichers Jakob Mandlbauer, des Franzosen Romain Heinrich und Axel Brown aus Trinidad und Tobago im 4er. „Ja, aber es waren alles individuelle Fahrfehler“, erinnert sich Martini an ihren spektakulären Sturz in Whistler 2010. „Das war damals echt dumm gelaufen und macht mich, bei insgesamt nur fünf Stürzen in meiner 15jährigen Karriere, heute noch etwas traurig, weil´s eben Olympia war und das Risiko, von Platz vier noch aufs Podest zu fahren, nicht belohnt wurde.“