Auf den Spuren eines Mythos
Gegensätzlicher hätte Petrus das Wetter an diesem dritten Juli-Wochenende nicht gestalten können. Am Samstag zur Eröffnung des Museumsfestes strahlender Sonnenschein, am Sonntagmorgen zum Start der Horch-Klassik Regen.
Zu letzterem passen die Sprüche der Teilnehmer, wenn die Kradfahrer meinten: „Egal ob´s regnet oder schneit, für die Horch immer bereit!“ Die Cabrio-Besatzungen zückten ihr Verdeck mit der wohl fast schon gut zu den Baujahren der Fahrzeuge passenden und bekannten Titelzeile eines Hauff-Henkler-Oldies aus dem Jahr 1970: „Regen, Regen stört uns nicht, tropft er uns auch ins Gesicht.“
Doch der Reihe nach – zu Fest und Klassik.
Pressesprecherin des August-Horch-Museums Samantha Pilarzeck wollte das Museumsfest mit einem Wort so zusammengefasst wissen: „Bombe!“ Etwas ausführlicher heißt das:
Zwar etwas am Rande neben den „Ahnen unserer Autos“ platziert, war der inzwischen aufgeräumte erst kürzlich dem Museum übergebene P70 4-Türer-Prototyp ebenso ein Hingucker.

Nicht unmittelbar am Start, verfolgten einige Zuschauer die Vorbeifahrt aller Teilnehmer im Unterstand des ehemaligen Pförtnerhauses des Sachsenwerkes-Werkes 2.
Hingucker waren die an der 14. August-Horch-Klassik teilnehmenden Kräder und Autos allemal. Auch wenn sich die trotz Regens relativ zahlreich erschienen Zuschauer zum Start mit Schirmen hatten bewaffnen müssen. Von den insgesamt 180 gemeldeten Fahrzeugen rollten letztendlich 175 an den Start.
„Hut ab vor den Kradfahrern, die dem Wetter mutig trotzten. Für zwei Teilnehmer war es allerdings ganz bitter. Deren Mobile hatten kurz vor dem Horch-Museum den Geist aufgegeben und mussten den Abschleppdienst in Anspruch nehmen. Leider gab es auch drei Ausfälle während der Tour. Schön, dass wenig später auf der Strecke doch noch die Sonne rauskam“, zog Johannes Schmutzler, 1. Vorsitzender des MC Zwickau und Organisator der Klassik, ein zufriedenes Resümee.

Links und rechts, entlang der gesamten Audistraße, präsentierten sich Fahrzeughalter mit ihren Vorwende-Oldtimern.

Francis Urziner-Woon und Claudia Urzinger zog es zum dritten Mal an den Ursprung der faszinierenden Zwickauer Automobil-Ingenieur-Technik.
Ein positives Resümee fiel bei allen Teilnehmern bereits als Prolog aus. So auch von Francis Urzinger-Woon und Claudia Urzinger aus Landshut. Sie waren mit einem Horch 930V von 1939 dabei und bekundeten:
„Wir wissen wohl, dass der Ursprung derart eleganter, kompakter, zuverlässiger, von technischer Innovationen sowie höchster Verarbeitungsqualität und exquisiter Ausstattung zeugenden Autos hier in Zwickau ist. Wäre der Krieg nicht gewesen, würden hier bestimmt noch derart schöne und gute Autos dieser Marke gebaut werden! Wir müssen auch in Anbetracht letzter Hiobsbotschaften bezüglich hier verorteter Autoproduktion gemeinsam das Fähnchen der Tradition des Automobilbaus in Sachsen hochhalten.“
Francis, aus England stammend, ergänzt: „Auch wir haben schöne Oldtimer. Aber an Horch und Audi…, da kommen sie nicht ran!“
Aus etwas anderer Sicht gibt es Komplimente von Julian Kurth-Gebert und Chris Gebert aus Duderstadt, Landkreis Göttingen. Eines ihrer Leidenschaften gilt den Lanz-Bulldog-Traktoren. Durchaus ein Unterschied zu der Horch 853-Limousine mit Baujahr 1937. „Man muss nur Fahren können, Verständnis haben für ältere Technik und deren Handhabung. Uns interessiert generell alles, was einen Motor hat, fährt und vor dem Krieg gebaut wurde“, meint Chris. Julian legt nach: „Wir sind das dritte Mal hier, weil´s einfach Klasse ist. So viel Oldtimer, insbesondere Vorkriegsautos, gibt’s im Westen bei derartigen Veranstaltungen so nicht. Auch nicht das vertraute Untereinander. Ein noch so dicker Mercedes aus den 60ern kann einfach nicht gegen ein Modell von Horch und Audi der 30er konkurrieren.“

Für Chris Gerbet (vorn) und Julian Kurth-Gerbet ist die Horch-Klassik der Ort mit den besten, schönsten und top erhaltenen Vorkriegs-Oldtimermodellen.

Auch das gehört zur Klassik – letzte notwendige Handgriffe vor dem Start.

Dick eingepackt, dem Regen trotzend, gingen die Kradfahrer an den Start.
Ebenfalls das dritte Mal dabei sind Ines Otto und Franziska Schuster aus Claußnitz. „Wir entsprechen zwar mit unserem Pontiac Star-Chief-Coupe aus dem Jahr 1956 nicht dem Motto der diesjährigen Ausfahrt. Aber die Teilnahme hier hat sich zum Muss entwickelt“, scheint sich Franziska entschuldigen zu wollen und legt nach: „Weil das Paket passt!“ Pontiac-Eigentümerin und Lenkerin Ines bringt Licht ins Dunkel: „Für Frauen ist die Optik entscheidend, dass er was Ordentliches unter der Haube hat (205 PS) und gut klingt. Basta!“

Das Motto der Horch-Klassik ist Franziska Schuster (vorn) und Ines Otto aus Claußnitz egal. Das Dabeisein zählt für sie.
Als fast „Einheimische und Stammgast“ kann Antje Schmalfuß aus Plauen bezeichnet werden. Früher (seit 2014) unterwegs als Co mit André Pilz, ist sie dem Untersatz von einst treu geblieben und sitzt heuer am Steuer eines Wartburg 312 HAT, Baujahr 1966. „Mein Vater hatte einen, André ebenso, da war klar, dass ich mittlerweile zum siebenten Mal auch mit einem Eisenacher am Start bin.“ Überflüssig zu fragen, warum. Denn auch für Antje gilt: „Wo gibt´s so viel Vorkriegsfahrzeuge in Aktion? Wo gibt´s eine derartige Herzlichkeit zwischen den Teilnehmern ohne jegliche Angeberei? Wo gibt´s jedes Mal so tolle Ausfahrten? Soll ich weiter aufzählen?“

Einmal Wartburg immer Wartburg gilt seit Jahren für Wartburg Antje Schmalfuß aus Plauen.
Dem ist so weit nichts hinzuzufügen – außer die Vorfreude auf das 5. Museumsfest und die 15. August-Horch-Klassik 2027.
Fotos: uhe

